In Deutschland wird der Graben zwischen Arm und Reich immer tiefer. Laut aktuellen Studien wächst die Kluft zwischen den Wohlhabenden und den sozial Benachteiligten schneller als je zuvor. Während sich der Wohlstand der reichsten 1 % der Bevölkerung rasant vergrößert, drohen immer mehr Menschen in Armut abzurutschen. Zwei Frauen, die sich dieser Ungleichheit mit ihrer Arbeit widmen, hat die Volkshochschule in ihrem neuen Frühjahrssemester in ihre überregional bekannte Vortragsreihe „vhsForum“ eingeladen.
Anne Brorhilker bringt eine ganz besondere Perspektive ein: Als Staatsanwältin hatte sie immer wieder mit denjenigen zu tun gehabt, die sich der Verantwortung entziehen. Einer der bekanntesten Fälle, an dem Brorhilker arbeitete, war die Aufdeckung eines internationalen Steuerbetrugsnetzwerks, das Milliarden in Steueroasen verschob und die öffentlichen Kassen leer zog. Sie nennt es „kriminellen Kapitalismus“, der den Wohlstand einer kleinen Elite fördert und die Steuerzahler auf der Strecke bleiben lässt.
Anne Brorhilker, die als Oberstaatsanwältin der Staatsanwaltschaft Köln jahrelang und unerschrocken die Cum/Ex-Ermittlungen geleitet hat, kennt das komplexe Verhältnis zwischen Wirtschaftskriminalität und Justiz wie keine andere. In ihrem Buch „CumEx, Milliarden und Moral – Warum sich der Kampf gegen Wirtschaftskriminalität lohnt“ schildert sie erstmals ihre erstaunlichen Erfahrungen mit der Finanzelite, blickt hinter die Kulissen der Großbanken und entlarvt die Selbstgefälligkeit vieler Steuerhinterzieher. Brorhilker, die heute Vorständin der Bürgerbewegung „Finanzwende e.V.“ ist, ist am 24. März in der Aula der Gesamtschule Schloß Holte-Stukenbrock zu Gast.
Julia Friedrichs ist eine der wenigen Journalisten, die sich konsequent mit den Ursachen und Folgen der wachsenden Ungleichheit in Deutschland auseinandersetzen. Ihr Fokus liegt auf den Mechanismen, die Reichtum schaffen und gleichzeitig die ärmeren Teile der Gesellschaft weiter benachteiligen. In ihrem neuesten Buch „Crazy Rich“, das sie am Montag, den 20. April, in der Kreissparkasse Schloß Holte vorstellt, fragt sie, ob das Vermögen von Deutschlands Superreichen unser Land verändere. Es ist Julia Friedrichs gelungen, was es so noch nicht gegeben hat: Sie bittet Superreiche zum Gespräch, und diese erlauben ihr umfassende Einblicke in ihre Welt und stellen sich ihren Fragen. Ist Vermögen eine Privatangelegenheit? Braucht es ein anderes Steuersystem? Welches Ausmaß an Ungleichheit verträgt eine Gemeinschaft, verträgt die Demokratie, in der zumindest theoretisch jede Stimme gleich viel wert sein soll? Wie viel dürfen Einzelne für sich beanspruchen in einer Welt, in der die Ressourcen endlich sind? Müssen wir dem Reichtum Grenzen setzen?
Julia Friedrichs begibt sich auf die Spuren des Geldes. Eine eindringliche Reportage über die Frage, wie wir als Gesellschaft zusammenleben wollen. Julia Friedrichs arbeitet als Autorin von Reportagen und Dokumentationen für die ARD, das ZDF und die Zeit. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen.
Die Veranstaltungen des vhsForums führt die vhs mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Halle-Wiedenbrück durch.